zweiseitig

„zweiseitig“ greift auf den fotografischen Aufnahmeprozess zurück und stellt die Realität außerhalb der Kamera der Abbildung innerhalb ihres Gehäuses gegenüber. Das „Innere“ ist dabei doppeldeutig: Es bezeichnet zum einen den Vorgang der Belichtung des Filmmaterials innerhalb der Kamera, zum anderen die innere, wahrnehmungsbezogene Wirkung des entstandenen Bildes.

Farbwerte, Licht und Schatten, Durchdringungen erkennbarer Gegenstände mit Formen und Strukturen unklarer Herkunft lösen die fotografische Abbildung aus ihrer eindeutigen Zuordnung zur sichtbaren Wirklichkeit. Erkennbare Elemente bleiben vorhanden, werden jedoch in einen offenen bildnerischen Zusammenhang überführt.

Auch der analoge fotografische Prozess bildet eine Grundlage der Arbeit. Aus dem Negativ entsteht in der Regel durch Umkehrung ein Positiv. „zweiseitig“ greift diese beiden Zustände auf, ohne die Bilder eindeutig dem einen oder anderen zuzuordnen. Negative und positive Bildwerte, Helligkeiten und Farbbeziehungen können gleichzeitig wirksam werden und sich gegenseitig durchdringen.

Das „Zweiseitige“ liegt dabei nicht allein im Verhältnis von Negativ und Positiv. Es entsteht vielmehr zwischen fotografischer Spur und bildnerischer Konstruktion, zwischen dem Erkennbaren und seiner Veränderung. Die Bilder halten diese beiden Seiten in einem offenen Verhältnis zueinander, ohne sich für eine von ihnen zu entscheiden.

Mich interessiert weniger die Abbildung von Wirklichkeit als die Frage, was mit dem Vorgefundenen geschieht, wenn es zum Bild wird.