CONSTRUCTION – COLLAGE – MIXED


Text: Konstruierte Wirklichkeiten

Ich arbeite mit alltäglichen Materialien, die eben noch eine Funktion erfüllten – etwa als Verpackung oder Schutz von Lebensmitteln – und im nächsten Moment zu wertlosem Abfall werden. Dieser kurze Übergang zwischen Wert und Wertlosigkeit interessiert mich. Mit der Makrofotografie entziehe ich diese Materialien ihrem ursprünglichen Kontext und überführe sie in einen neuen. Oberflächen, Reflexionen, Transparenzen und Strukturen bilden das Ausgangsmaterial meiner Bildräume.

Die fotografierten Fragmente kombiniere ich digital zu räumlichen Konstruktionen. Licht, Schatten, Unschärfen sowie Farb- und Luftperspektive folgen den Konventionen unserer Wahrnehmung und erzeugen einen plausiblen Bildraum. Gleichzeitig werden Maßstäbe verschoben und räumliche Zusammenhänge aufgelöst. Die Herkunft der Materialien bleibt bewusst offen; ihre Wiedererkennbarkeit ist für die Bildaussage unerheblich.

Den fotografischen Raum setze ich in Beziehung zu digital gemalten Figuren. Sie basieren auf selbst entwickelten KI-Bildentwürfen, deren Körperhaltung, Blickrichtung, Mimik, Kleidung und Farbigkeit ich gezielt steuere. Die KI erzeugt dabei keine Porträts realer Menschen, sondern neue Gesichter aus einer Verdichtung unzähliger fotografischer Vorlagen. Es entstehen Figuren, die vertraut wirken, obwohl sie niemals existiert haben. Sie spiegeln kulturell geprägte Vorstellungen von Individualität und Identität.

Diese Entwürfe überführe ich auf dem iPad in eine malerische Form. Der sichtbare Pinselduktus und die simulierte Ölfarbe verleihen den Figuren eine körperliche Präsenz und zitieren die Materialität traditioneller Malerei. Die bewusst offene, nicht vollständig ausgearbeitete Oberfläche erzeugt eine innere Bewegung, die im Kontrast zur ruhigen Haltung der Figuren steht.

Mich interessiert die Umkehrung traditioneller Bildvorstellungen. Die Fotografie, die häufig mit Objektivität und Dokumentation verbunden wird, konstruiert in meinen Arbeiten irreale Bildräume. Die Malerei hingegen erscheint als Träger von Individualität und Präsenz, obwohl sie eine nie existierende, digital erzeugte Person zeigt. Beide Medien verlassen ihre vertrauten Rollen und stellen die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Bildes neu.

Meine Arbeiten untersuchen nicht, was real ist. Sie fragen, wodurch Bilder überhaupt als Wirklichkeit wahrgenommen werden.

Sarah, 2026

Daniel, 2026

Robert, 2026

Tom, 2026

David, 2026

Lisa, 2026

Kim, 2026

Lena, 2026

Steve, 2026

Chris, 2026

Carla, 2026